Votum SP-Fraktion
Esther Ambühl Tarnowski
Geschäfte 6.1 – 2950 Veränderte Gesamtsituation – Überprüfung der Erweiterung Schulanlage Guthirt
Sehr geehrter Herr Präsident
Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen,
geschätzte Anwesende – insbesondere aus dem Quartier Guthirt
Aus einem Quartier hallt der laute Ruf nach Hilfe. Wer hört ihn?
Vor Kurzem haben wir hier drinnen über den Vorschlag des Regierungsrates debattiert, am Rand des Landsgemeindeplatzes dieses Gebäude zu erweitern. Für fast alle unvorstellbar – wie konnte man nur auf die Idee kommen, einen für die Bevölkerung so wichtigen Freiraum anzutasten?
Der Schulhausplatz – die Freifläche auf dem Schulareal ist der Landsgemeindeplatz des Guthirts.
Ja, das Guthirt braucht Schulraum – daran zweifelt niemand. Aber: Eine verbaute Fläche ist unwiederbringlich verloren. Gerade weil viele Kinder aus einem ohnehin stark verdichteten Quartier stammen, ist der Erhalt dieser freien Fläche umso wichtiger – als Raum zum Spielen, Bewegen, Begegnen.
Gute Schulräume und gute Freiräume sind Ausdruck von Lebensqualität – und von Wertschätzung gegenüber unseren Kindern.
Der Stadtrat behauptet, die heutige Freifläche bleibe «in ihrer Grössenordnung erhalten». Doch wer die Pläne anschaut, weiss: Das kann nicht stimmen. Da wird schöngerechnet, doppelt gezählt, jede Erschliessung zur Pausenfläche erklärt. In Wahrheit wird der Platz kleiner – während die Zahl der Kinder fast doppelt so gross wird und mehr als doppelt so gross wie es die Schulraumplanung vorsieht. Was ihnen bleibt, ist kein grösserer, sondern ein engerer, fragmentierter und härterer Raum.
Die sogenannte Korrigenda, auf die sich der Stadtrat beruft, notabene, nachdem der GGR den Kredit genehmigt hatte, hat keine solide Basis. Die Zahlen der Schulraumplanung waren über Jahre hinweg die gemeinsame Grundlage aller Projekte – sie schufen Vergleichbarkeit und Transparenz.
Pausenräume sind Lebensräume. Orte, wo Kinder rennen, träumen, sich austauschen oder zurückziehen können. Heute verbringen viele Kinder fast die ganze Woche auf dem Schulareal – Lernen, Betreuung, Freizeit. Wer das ernst nimmt, weiss: Spielen ist Lernen – Lernen mit allen Sinnen, mit Bewegung, mit Fantasie. Wer Kindern diesen Raum nimmt, nimmt ihnen Entwicklungschancen.
Und Hand aufs Herz: Ist das wirklich ein Projekt für die Schule der Zukunft? Ich habe Zweifel – erspare euch aber die Details.
Der Workshop mit dem Quartier? Ein Feigenblatt.
Fragen sie unsere Zuschauenden am besten gleich selbst. Die Anliegen des Quartiervereins sind kaum eingeflossen. Das Vertrauen ist verspielt.
Bemerkenswert ist, wie kreativ der Stadtrat darin war, die Vorteile des Projekts zu betonen. Die «Aufwertung des Obstverband-Areals» wird als Erfolg verkauft – obwohl diese Aufwertung längst überfällig ist. Ein Versäumnis als Leistung darzustellen, ist, gelinde gesagt, kühn.
Und all das geschieht in einem Quartier, das ohnehin am stärksten unter Druck steht:
- Hier entstehen die meisten und dichtesten neuen Überbauungen der ganzen Stadt.
- Hier sind die Freiräume schon heute am knappsten.
- Hier müssten wir dringend Quartierstrukturen stärken, statt sie weiter zu belasten. Gibt es da nicht ein Konzept dazu…?
Ein Ja nur, weil die Zeit drängt, kann nicht unser Anspruch sein.
Wir sollten uns die Zeit nehmen, um Klarheit zu schaffen – für eine Lösung, die langfristig trägt, überzeugt und am Ende vielleicht sogar schneller und günstiger umzusetzen ist.
Darum: Unterstützen Sie den Antrag auf Erheblichkeit.
