SP-Votum Marilena Amato Mengis vom 20. Januar 2026 zu:
2968 SR Interpellation der Fraktion Die Mitte vom 1. Juli 2025 betreffend «Wann ist ein bedarfsgerechtes schulergänzendes Betreuungsangebot Realität?»
Sehr geehrter Herr Präsident,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen
In den letzten Jahren hat sich in der schulergänzenden Betreuung enorm viel getan. Die Stadt hat das Angebot stark ausgebaut, Wartelisten verkleinert, die Anmeldung vereinfacht und digitalisiert, die Planbarkeit und Kommunikation verbessert. Ich konnte das hautnah – als direkt Betroffene – erleben:
Vor acht Jahren kam ein Platz im Mittagstisch Herti einem Sechser im Lotto gleich – ich hatte Glück, dass ich meine Arbeitstage frei wählen konnte. Als zwei Jahre später unser zweites Kind in die Schule kam, ging gar nichts mehr. Drei Jahre vergingen, bis wir für beide an denselben Tagen einen Platz bekamen – der Grosse musste zwar vom Herti ins Riedmatt radeln, aber immerhin.
Heute gibt es solche Paradoxien – Montag Platz fürs eine, Dienstag fürs andere – zwar noch, aber nur vereinzelt. Das ist ein grosser Fortschritt, den wir ausdrücklich anerkennen.
Gemäss Bericht bestehen noch Wartelisten, aber sie sollten bald ganz verschwinden. Das ist erfreulich. Dennoch bleibt Handlungsbedarf. Denn «bedarfsgerecht» darf nicht nur quantitativ, sondern muss auch qualitativ – sprich kindsgerecht verstanden werden.
Und hier zeigen sich grosse ja enorme Unterschiede zwischen den Standorten:
Ob ein Kind in einem Pfarreisaal betreut wird oder ob es in einem der kindsgerechten Pavillons oder nun im neuen Herti den Mittag verbringt, ist ein riesiger Unterschied.
Auch das Haus des Lernens bleibt trotz aller Bemühungen eine Zwischenlösung: funktional, aber kein Ort, an dem Kinder sich richtig erholen oder austoben können.
Wir anerkennen, dass die Stadt mit viel Improvisation und Flexibilität enorm viel geleistet hat, um allen Kindern einen Platz zu bieten. In den letzten Jahren galt: Hauptsache ein Platz, Hauptsache ein warmes Essen. Das war richtig und nötig. Aber eben meist eine Notlösung. Kinder brauchen mehr als ein warmes Essen. Gerade jene, die mehrere Tage fremdbetreut sind. Sie brauchen Räume, um runterzufahren, sich zu erholen, zu spielen oder sich auszutoben. In einer Aula oder einem Pfarreisaal mit 30 Kindern und hohem Lärmpegel ist das schlicht nicht möglich, die Räume sind nicht dafür konzipiert. Was als Überbrückungslösung gedacht war (und dank Hilfestellung der Kirchgemeinde bzw. Pfarrei, das darf auch gesagt werden, das ist im Bericht nicht erwähnt) ist auf Dauer problematisch.
Wir legen den Verantwortlichen nahe, sich nach der Quantität nun auf die Qualität zu fokussieren. Und damit meine ich vor allem die Räume, aber auch andere Rahmenbedingungen wie den Betreuungsschlüssel. Ich kritisiere damit nicht die Qualität der geleisteten Arbeit des Personals. Das möchte ich unterstreichen. Die Standortleitungen und Betreuungspersonen setzen sich mit Herzblut und Fachwissen für Kinder und Eltern ein, so gut es mit den Rahmenbedingungen eben geht. Ihnen gilt unser Dank und unsere Wertschätzung. Damit sie das auch tun können, brauchen auch sie passende räumliche Rahmenbedingungen. Auch für sie sind die Bedingungen nicht gleich.In diesem Sinne: Danke für das Erreichte. Und für das Engagement auf dem Weg zu einer schulergänzenden Betreuung, die sowohl bedarfsgerecht in der Quantität als auch in der Qualität ist.
