Votum SP-Fraktion
Marilena Amato Mengis
Sehr geehrter Herr Präsident,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen
Im Namen der SP-Fraktion danke ich der FDP für den wichtigen Vorstoss. Dieser hat eine wichtige und längst fällige Diskussion angestossen darüber, wie wir in unserer Stadt künftig miteinander leben wollen.
Ebenso danken wir dem Stadtrat und der Verwaltung für den sorgfältig erarbeiteten Bericht. Besonders wertvoll erachten wir die umfassende Datengrundlage, die erhoben wurde. Sie zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich der Bevölkerungsmix und die Bedürfnisse in den Quartieren sind, und untermauert, was wir schon lange spüren und immer wieder aufs Tapet bringen: dass insbesondere in wachsenden Gebieten wie Herti, Lorzen oder Guthirt grosser Handlungsbedarf besteht. Dieses Monitoring sollte u.E. systematisch weitergeführt werden, damit Veränderungen wahrgenommen und antizipiert und Entscheide faktenbasiert getroffen werden können.
Die Umfrageergebnisse sprechen eine klare Sprache: Die Menschen wünschen sich mehr Begegnungsmöglichkeiten, Gemeinschaft und Teilhabe. Die Vision und Strategiegrundsätze des Stadtrats nehmen das auf. Sie sind positiv formuliert. Das unterstützen wir.
Kritisch sehen wir die vertiefenden Erläuterungen und Stossrichtungen:
Erstens die grafische Darstellung: Die Strategie „Zusammenleben“ wird als isolierte Kugel gezeigt, ohne Schnittstellen zu anderen Bereichen. Von der Raumplanung, Spielplatzkonzept bis zur Altersstrategie. Gerade dort keine Schnittstelle zu sehen, ist – freundlich gesagt – paradox. Vielleicht verstehen wir die Grafik falsch, aber sie vermittelt den Eindruck, dass Soziokultur und Zusammenleben noch zu sehr als isoliertes Handlungsfeld gesehen werden, statt als verbindendes Element städtischer Politik.
Zweitens sind die formulierten Stossrichtungen zu passiv: Die Stadt beschreibt ihre Rolle mit Verben wie „ermöglichen“, „fördern“ oder „unterstützen“. Das allein genügt nicht – viele Initiativen scheitern weniger an Ideen oder Geld, so die Rückmeldungen von IGs und Vereinen mit denen wir gesprochen haben, sondern an effektivem Support, Know-how, Ressourcen und verlässlichen Strukturen. Die Umfrage zeigt zudem klar, dass es an Freiräumen, Grünflächen und Gastronomie mangelt – auch das taucht in den Stossrichtungen nicht auf.
Für uns ist klar: Es braucht eine aktive Haltung, die Stadt muss selber Verantwortung für das Erreichen der Vision übernehmen. In diesem Sinne vertrauen wir auf die Worte im Fazit. Dort wird immerhin benannt, dass es dafür Ressourcen und einen Massnahmenplan braucht.
Unser Eindruck: Dieser Bericht ist ein wichtiger erster Schritt. Wir begrüssen, dass das Thema «Zusammenleben» endlich als strategisch relevant erkannt wurde. Aber wir erwarten eine aktive Rolle der Stadt. Dass sie nicht nur den Rahmen setzt, sondern auch Verantwortung übernimmt, konkrete Massnahmen plant, Projekte aufgleist und umsetzt – gemeinsam mit der Bevölkerung. Und regelmässig evaluiert. Damit Zug eine lebendige Stadt bleibt, mit Nachbarschaften, die funktionieren. Das stärkt die Gemeinschaft und entlastet langfristig auch Staat und Staatskasse.
Vielen Dank.
