SP-Fraktionsvotum zur Kreditvorlage für die Sanierung der Spielplätze Schnäggeloch und Rigiplatz
Marilena Amato Mengis
Sehr geehrter Herr Präsident, geschätzte Stadträtinnen und Stadträte und Anwesende
Ich spreche für die SP gleich zu beiden Geschäften. Spielplatz Schnäggeloch und Rigiblick. Vielen Dank an den Stadtrat und die BPK für diese beiden Vorlagen, denen wir natürlich zustimmen. Über die Wichtigkeit von qualitativ hochwertigen Spielplätzen in einer stark wachsenden Stadt haben wir im Rahmen des BBP äussere Lorzenallmend gesprochen. Schön, dass hier der Stadtrat offensichtlich gleicher Meinung ist wie wir.
Ich gehe nicht auf die Details der Ausgestaltung ein, denn beide Projekte entsprechen der Wegleitung zur Planung und Gestaltung von öffentlichen Spielplätzen. Für diese Wegleitung danken wir dem Stadtrat. Sie ist eine sehr überzeugende Grundlage und setzt eine Forderung um, die wir damals im Rahmen der Interpellation Rigiblick eingebracht haben.
Obwohl ich über beide Spielplätze spreche, handelt es sich hier um zwei ganz unterschiedliche Typen:
Der Spielplatz Schnäggeloch ist ein klassischer Quartierspielplatz. Ein Ort für die Kinder aus der Nachbarschaft. Ein Ort, den auch kleine Kinder selbständig erreichen können, ohne Begleitung. Genau solche Räume sind entscheidend für die Entwicklung der Kinder und somit für eine kinderfreundliche Stadt.
Der Spielplatz Rigiblick erfüllt eine andere Funktion. Es ist ein Ausflugsspielplatz. In unmittelbarer Nähe wohnen nur wenige Kinder, und aufgrund seiner Lage ist er für viele nicht selbständig erreichbar. Dafür wird er von ganz unterschiedlichen Gruppen genutzt: morgens von Eltern mit kleinen Kindern und Kitas, mittags als Frei- und Aufenthaltsort für Berufstätige, nachmittags und abends auch von älteren Kindern, und am Wochenende nach dem Einkaufen oder für Ausflügler als Park.
Der gesellschaftliche Nutzen von qualitativ hochwertigen Spielplätzen steht ausser Frage. Bewegung, Begegnung, Gesundheitsförderung, Motorik, Sozialkompetenzen, alles was man weder am Handy noch am Tablet lernt. Es ist richtig und wichtig, dass die Stadt hier anständig investiert. Ganz unkritisch ist unsere Fraktion trotzdem nicht.
Erstens: Eine kinderfreundliche Stadt entsteht nicht durch einzelne teure Projekte. Sie entsteht im Alltag. Entscheidend ist, dass es in allen Quartieren öffentlich zugängliche Spiel- und Freiräume gibt. Dafür braucht es nicht immer teure Anlagen. Es braucht vor allem auch Nischen und Räume, wo Kinder oder Jugendliche – und über diese reden wir viel zu wenig – sie wollen keine Spielplätze – sich aufhalten können, willkommen sind.
Zweitens: Wenn man die bestehenden Spielplätze anschaut, zeigt sich, dass viele die Anforderungen der Wegleitung nicht erfüllen. Oft handelt es sich um versiegelte Pausenplätze. Es ist kaum realistisch, alle umfassend umzubauen. Hier braucht es einen pragmatischen Ansatz: gezielte Verbesserungen, kleine Eingriffe, Entsiegelung, mehr Raum – statt neue Flächen zuzubauen oder sogar Spielbereiche zu verschlechtern. So wie aktuell auf dem Burgbachplatz, wo zwei grosse Parkfelder mitten auf den Pausenplatz, direkt neben bestehende Spielangebote aufgezeichnet wurden.
Oder ein anderer, wirkungsvoller Ansatz: Es gibt bereits heute gute Spielplätze auf privatem Grund, die aber faktisch nicht zugänglich sind. Kinder werden weggeschickt, Kitas nicht geduldet – obwohl viele dieser Kinder in der Umgebung wohnen. Hier braucht es kreative Lösungen. Beispielsweise wie in Hünenberg, wo die Gemeinde die Unterhaltskosten übernimmt, damit ein bisher privater Spielplatz öffentlich nutzbar ist.
Drittens und damit komme ich zum Schluss und zur Frage, die uns am meisten umgetrieben hat: Wie kann der Stadtrat heute die Grundsätze dieser Wegleitung überzeugend vertreten, wenn er sie an anderer Stelle wieder relativiert oder komplett ignoriert? Wo war diese Überzeugung bei der Anpassung der Bauordnung, wo neu Spielflächen erst ab acht statt wie bisher ab sechs Wohneinheiten verlangt werden? Oder bei den Bebauungsplänen äussere Lorzenallmend oder auch an der Aa und Pi?
Fazit: Die SP Fraktion stimmt den Krediten für die Sanierung und Umgestaltung der beiden Spielplätze zu. Wir freuen uns über jeden weiteren guten Spielplatz. Entscheidend ist für uns nicht, möglichst viel Geld in einzelne Projekte zu investieren, sondern die Stadt insgesamt so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche sich im öffentlichen Raum bewegen, begegnen und entfalten können.